Scheitert gemeinschaftliche Infrastruktur an Anonymität?
2023 haben wir als Verein zwei E-Ladesäulen finanziert, weil uns wichtig war, einen Beitrag zur klimafreundlichen Mobilität für unsere Besucher:innen und auch für die Stadt zu leisten. Wir hatten uns für das Modell “Münzeinwurf/PayPal” und “Fair pay” entschieden”, weil es für uns leistbar war.
Jetzt nach drei Jahren müssen wir uns eingestehen... es war keine gute Entscheidung. Was an Geld reinkommt, deckt nicht mal ansatzweise unsere Stromkosten. Wir zahlen ordentlich drauf und das, obwohl wir Infos ausgehängt und mehrmals darauf hingewiesen haben.
Das ist frustrierend und gleichzeitig auch interessant: Wie kann es sein, dass in einem gemeinschaftlich genutzem Haus, wie dem OKH mit so vielen Bedürfnissen und fast 500 Veranstaltungen im Jahr praktisch reibungslos über die Bühne gehen und bei zwei Ladesäulen will es einfach nicht klappen?
Der Unterschied: Ein Gesicht?
Wenn du im OKH einen Raum nutzen möchtest, gibt es ein Gespräch, ein Gegenüber. Du siehst, wer dahintersteckt. Bei den Ladestationen? Anonymität. Kein Kontakt, keine Beziehung, keine Verbindung zu den Menschen, die das möglich machen.
Es gibt dafür einen Namen: Die Tragik der Allmende
Die Wissenschaftlerin Elinor Ostrom hat es in den 90ern so beschrieben: Gemeingüter – also geteilte Ressourcen – funktionieren nur, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind: Klare Regeln, Mitsprache der Nutzenden und vor allem: soziale Einbettung. Menschen müssen sich als Teil einer Gemeinschaft fühlen, nicht als anonyme Konsument:innen. Sonst beginnen einzelne Menschen, Systeme zu ihrem eigenen Vorteil auszunutzen. Genau das passiert bei unseren Ladesäulen.
Daher bleibt uns vorerst nichts anderes übrig: Wir schalten die E-Ladestationen Ende Februar ab! Wir suchen trotzdem eine Lösung: Laden nur mit Schlüssel oder Karte? Blöd nur, dass die Umrüstung einen vierstelligen Betrag kostet, das geht sich einfach nicht aus.
Was auch immer es wird – klar ist: Wir finden Gemeingüter weiterhin wichtig, nehmen's sportlich und bleiben am Ball!